Konsumorientierung ist ein zentrales Merkmal der Postmoderne. Der Mensch hat die Religion abgestreift, er geht nicht mehr in die Kirche sondern betet nun an im „Konsumtempel“. Amerikanische „Malls“ machen es vor und schwappen nach Europa, und auch nach Deutschland. Freizeit kann nun vollständig mit Konsum ausgefüllt werden. Der Alltag wird zu einer Welt des Konsums und ist im Sinn des pm Menschen nicht ein Ort, wo man möglicherweise seine Seele verlieren bzw., positiv ausgedrückt, wahres Leben finden kann. Pasolini führte in den 1970ern den Begriff des „Konsumismus“ ein, um diese Entwicklung in der westlichen Welt zu beschreiben. Der pm Mensch ist konsumhungrig, erliegt seinem Kaufraum und leidet oft unter Kaufzwang. Werbung kreiert Bedürfnisse, die der Verbraucher eigentlich nicht hat und leitet ihn fatalerweise in einen endlosen Kreislauf der „pursuits of wants“ (Wells, S.41) – “one product after another in a never-ending chain of purchase” (ibid.). Der pm Mensch definiert sein Selbst darüber, wie viel und was er konsumieren kann – und dadurch nach außen hin darzustellen vermag (Einfluss auf Selbstkonzept). Wells kommentiert anschaulich: „We move as nomads from one oasis to another, ever shopping and never stopping, defining ourselves only by what is present and by what can be purchased and experienced.“ (S.89).
Was sind die Ursachen? Es liegt auf der Hand, dass der Konsumismus eine Möglichkeit bietet, das innere Vakuum im postmodernen Menschen auszufüllen. Durch den Verlust absoluter Wahrheit ist der pm Mensch praktisch sinnentleert und folglich auf der Suche nach „Füllung.“ Konsum ist jedoch ein wenig probates Mittel um wahren Hunger nach Sinn und Bedeutung zu stillen. Der Hunger kommt wieder und wieder und ist schließlich unstillbar.
Demgegenüber steht Jesu Angebot in Johannes 10,10: Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluß haben. Jesus als das personifizierte Leben (Joh 1,4) ist die einzige Autorität die sinnstiftendes Leben geben kann. Allein Jesus als das Brot des Lebens kann unseren Hunger stillen (Joh 6,35). Jesus entlarvt die Oberflächlichkeit des Konsums. In Jesus ist qualitativ Leben vorhanden, von dem der pm Mensch nicht einmal träumt – unsere Aufgabe ist es, ihm es zu bringen.
31.10.06
25.10.06
Postmoderne I: Die Entwicklung zur Postmoderne
Über die kommenden Wochen/evtl. Monate hinweg würde ich gerne eine Reihe über die Postmoderne starten. Als dem Zeitgeist unterworfene Christen ist es vonnöten dass wir um unser Beeinflußtsein durch die postmoderne Kultur wissen und dementsprechend reagieren können. Implikationen sind breit gefächert insofern jede epochale Kulturströmung den ganzen Christen betrifft: Persönliche Andacht, Beruf, Familie, Gemeinde, Theologie. In den letzten Jahren entstand die Bewegung der emergent/emerging Gemeinden (v.a. Großbritannien, USA), die aktiv dem postmodernen Menschen begegnen. Hier gibt es viel zu lernen, zu überprüfen, Gutes zu übernehmen, Negatives zu hinterfragen.
Mein Vorschlag ist, dass wir zunächst die Entwicklung hin zur Postmoderne betrachten und anschließend verschiedene Merkmale analysieren – parallel dazu immer geistlich und praktisch-christlich bewertend.
Was ist die Postmoderne? Die Herausbildung einer postmodernen Gesellschaft.
Mit der Aufklärung streifte der Mensch die Religiosität des Mittelalters ab. Er strebte nach Freiheit; Freiheit von der überlieferten Tradition, Freiheit von Gott und von Autorität. Es wurde dafür plädiert, vom Menschen ausgehend Bedeutung zu konstruieren. “The place God had occupied was now occupied by the human being”, kommentiert Wells (S.31) in seiner sehr empfehlenswerten Bestandsaufnahme zur Postmoderne aus christlicher Sicht (Wells, D. F., 2005, Above all earthly pow'rs - Christ in a postmodern world. Grand Rapids, Michigan: William B. Eerdmans Publishing Company). Jedoch, entgegen dem aufklärerischen Gedanken hin zu einer Optimierung des Menschen erlebte die Menschheit im 20. Jahrhundert mehr Blutvergießen als jemals zuvor. Durch die Weltkriege fiel die Aufklärung in sich zusammen, sie hatte zuviel versprochen.
Philosophen diskutieren, ob wir uns nun in der Moderne befinden, oder in der Postmoderne, bzw. ob ein Konzept der Postmoderne gar seine Berechtigung hat. Fakt ist, dass wir uns in einer post-aufklärerischen Phase befinden. Ob die Postmoderne nur eine Form der Moderne oder eine eigenständige Entität bildet wird man sicher erst im Nachhinein dokumentieren können. Für unsere Zwecke etikettieren wir den kulturellen status quo als postmodern. Der Begriff “postmodern” als solcher wurde zunächst in der Architektur gebildet (1970er) und als Zeitgeist-beschreibendes Konzept von Lyotard eingeführt (The Postmodern Condition).
Kurz gefasst ist das Credo der Postmoderne: Es gibt keine absolute Wahrheit. Alles ist relativ (vgl. Einstein’s Relativitätstheorie). Der Mensch konstruiert existentialistisch sein Selbst, seine Umwelt, seine Wahrheit und Realität.
Die folgenden Beiträge werden wie angekündigt, spezifische Merkmale der Postmoderne herausstellen und zur Diskussion anregen, sofern Interesse zur Vertiefung besteht.
Mein Vorschlag ist, dass wir zunächst die Entwicklung hin zur Postmoderne betrachten und anschließend verschiedene Merkmale analysieren – parallel dazu immer geistlich und praktisch-christlich bewertend.
Was ist die Postmoderne? Die Herausbildung einer postmodernen Gesellschaft.
Mit der Aufklärung streifte der Mensch die Religiosität des Mittelalters ab. Er strebte nach Freiheit; Freiheit von der überlieferten Tradition, Freiheit von Gott und von Autorität. Es wurde dafür plädiert, vom Menschen ausgehend Bedeutung zu konstruieren. “The place God had occupied was now occupied by the human being”, kommentiert Wells (S.31) in seiner sehr empfehlenswerten Bestandsaufnahme zur Postmoderne aus christlicher Sicht (Wells, D. F., 2005, Above all earthly pow'rs - Christ in a postmodern world. Grand Rapids, Michigan: William B. Eerdmans Publishing Company). Jedoch, entgegen dem aufklärerischen Gedanken hin zu einer Optimierung des Menschen erlebte die Menschheit im 20. Jahrhundert mehr Blutvergießen als jemals zuvor. Durch die Weltkriege fiel die Aufklärung in sich zusammen, sie hatte zuviel versprochen.
Philosophen diskutieren, ob wir uns nun in der Moderne befinden, oder in der Postmoderne, bzw. ob ein Konzept der Postmoderne gar seine Berechtigung hat. Fakt ist, dass wir uns in einer post-aufklärerischen Phase befinden. Ob die Postmoderne nur eine Form der Moderne oder eine eigenständige Entität bildet wird man sicher erst im Nachhinein dokumentieren können. Für unsere Zwecke etikettieren wir den kulturellen status quo als postmodern. Der Begriff “postmodern” als solcher wurde zunächst in der Architektur gebildet (1970er) und als Zeitgeist-beschreibendes Konzept von Lyotard eingeführt (The Postmodern Condition).
Kurz gefasst ist das Credo der Postmoderne: Es gibt keine absolute Wahrheit. Alles ist relativ (vgl. Einstein’s Relativitätstheorie). Der Mensch konstruiert existentialistisch sein Selbst, seine Umwelt, seine Wahrheit und Realität.
Die folgenden Beiträge werden wie angekündigt, spezifische Merkmale der Postmoderne herausstellen und zur Diskussion anregen, sofern Interesse zur Vertiefung besteht.
18.10.06
Glauben III: Glauben und Schauen
Wir hatten uns schon Gedanken über die Beziehung zwischen Glauben und Verstehen gemacht. Vielleicht können wir noch einen anderen Aspekt beleuchten: Wie verhält sich Glauben und sinnliche Wahrnehmung, insbesondere Sehen?
Mir scheint, daß die beiden Begriffe in der Bibel häufig einander antithetisch gegenüberstehen, wobei Glauben eine dem Schauen gegenüber "höhere" Erkenntnisform ist.
Beispiele: Jesus sagt zu Thomas "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben" (Joh 20,29); Samuel wird vor seiner Mission bei Isai von Gott ermahnt: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an" (1Sam 16,7).
Andererseits begegnet uns die Verheißung des "Schauens" als die Erfüllung dessen, was wir geglaubt haben, etwa Jesus zu Marta: "Habe ich Dir nicht gesagt: Wenn Du glaubst, wirst Du die Herrlichkeit Gottes sehen?" (Joh 11,40); oder die Seligpreisung in Matthäus 5,8: "Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen".
Schließlich ist mitunter die Rede davon, daß der Prozeß des Schauens uns selbst verändert (insb. 2Kor 3,18: wir werden dadurch verwandelt in sein Bild) und deshalb an sich erstrebenswert ist, ja in gewisserweise sogar das Ziel schlechthin bedeutet: "Wir werden Ihm gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie Er ist" (1Joh 3,2).
Haben wir es also mit verschiedenen Begriffen von Schauen zu tun? Oder ist entscheidend, was wir schauen?
Können wir vielleicht so abgrenzen, daß das im Gegensatz zum Glauben stehende Schauen ein irdisches ist, und das positive, vervollkommnete Schauen nur mit den "erleuchteten Augen des Herzens" (Eph 1,18) möglich ist?
Mir scheint, daß die beiden Begriffe in der Bibel häufig einander antithetisch gegenüberstehen, wobei Glauben eine dem Schauen gegenüber "höhere" Erkenntnisform ist.
Beispiele: Jesus sagt zu Thomas "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben" (Joh 20,29); Samuel wird vor seiner Mission bei Isai von Gott ermahnt: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an" (1Sam 16,7).
Andererseits begegnet uns die Verheißung des "Schauens" als die Erfüllung dessen, was wir geglaubt haben, etwa Jesus zu Marta: "Habe ich Dir nicht gesagt: Wenn Du glaubst, wirst Du die Herrlichkeit Gottes sehen?" (Joh 11,40); oder die Seligpreisung in Matthäus 5,8: "Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen".
Schließlich ist mitunter die Rede davon, daß der Prozeß des Schauens uns selbst verändert (insb. 2Kor 3,18: wir werden dadurch verwandelt in sein Bild) und deshalb an sich erstrebenswert ist, ja in gewisserweise sogar das Ziel schlechthin bedeutet: "Wir werden Ihm gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie Er ist" (1Joh 3,2).
Haben wir es also mit verschiedenen Begriffen von Schauen zu tun? Oder ist entscheidend, was wir schauen?
Können wir vielleicht so abgrenzen, daß das im Gegensatz zum Glauben stehende Schauen ein irdisches ist, und das positive, vervollkommnete Schauen nur mit den "erleuchteten Augen des Herzens" (Eph 1,18) möglich ist?
11.10.06
Nocheinmal "Glauben": Abraham
Unsere Betrachtungen über das Wesen des Glaubens verdienen es, mit dem Glauben des absolut krassen Glaubenshelden Abraham illustriert und fundiert zu werden:
In Genesis 15,6 lesen wir: Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.
Dieser Satz ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich hier um einen Kommentar des Erzählers – das sticht insofern heraus, als sich der Erzähler in Genesis nur sehr selten mit Kommentaren zu Wort meldet. Wir erhalten hier eine Information, die uns allein aus der Geschichte heraus nicht zugänglich wäre – es ist, weiterhin, die erste biblische Erwähnung von „Glauben“.
Das im hebräischen benutzte Verb für „glauben“ (aman), bedeutet u.a. unterstützen, sicheres Fundament, zuverlässig, treu. Das heißt, Abraham erlebte Gott als eine zuverlässige Stütze, einen reliablen Grund. Abraham versicherte sich selbst in JAHWEH als Person. Meredith Kline weist darauf hin, dass der Gebrauch des Wortes „aman“ im „delocutive“ ist, d.h., Abraham sagte praktisch „AMEN“ (gleiche Wurzel) zu Gottes Verheißungen. Abraham kommentierte Gottes großartige Versprechen mit einem kräftigen „So sei es, AMEN.“ Das ist Glaube.
Glaube bedeutet daher in seiner Essenz das für wahr zu halten, dem zu vertrauen, was Gott in Seinem Wort verheißen hat und dementsprechend zu handeln (man beachte Abrahams Glaubensgehorsam in Gen 22,6).
Das Westminster Bekenntnis formuliert folgendermaßen (Artikel 14.2):
„Wegen der Autorität Gottes, der darin spricht, hält ein Christ durch diesen
Glauben für wahr, was auch immer im Wort geoffenbart ist und handelt danach auf verschiedene Art und Weise, je nachdem, was die einzelnen Schriftstellen
beinhalten; so leistet er den Geboten Gehorsam, nimmt mit Erschrecken die Drohungen wahr und ergreift die Verheißungen Gottes für dieses und das zukünftige Leben. Der aktive, rettende Glaube gewinnt seine wichtigste Bedeutung darin, dass er Christus annimmt, ihn aufnimmt und in ihm allein zur Rechtfertigung, Heiligung und zum ewigen Leben aufgrund des Gnadenbundes Ruhe findet.“
Literatur: vgl. M.G. Kline, "Abram's Amen" WTJ 31 (1968): 1-11.
In Genesis 15,6 lesen wir: Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.
Dieser Satz ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich hier um einen Kommentar des Erzählers – das sticht insofern heraus, als sich der Erzähler in Genesis nur sehr selten mit Kommentaren zu Wort meldet. Wir erhalten hier eine Information, die uns allein aus der Geschichte heraus nicht zugänglich wäre – es ist, weiterhin, die erste biblische Erwähnung von „Glauben“.
Das im hebräischen benutzte Verb für „glauben“ (aman), bedeutet u.a. unterstützen, sicheres Fundament, zuverlässig, treu. Das heißt, Abraham erlebte Gott als eine zuverlässige Stütze, einen reliablen Grund. Abraham versicherte sich selbst in JAHWEH als Person. Meredith Kline weist darauf hin, dass der Gebrauch des Wortes „aman“ im „delocutive“ ist, d.h., Abraham sagte praktisch „AMEN“ (gleiche Wurzel) zu Gottes Verheißungen. Abraham kommentierte Gottes großartige Versprechen mit einem kräftigen „So sei es, AMEN.“ Das ist Glaube.
Glaube bedeutet daher in seiner Essenz das für wahr zu halten, dem zu vertrauen, was Gott in Seinem Wort verheißen hat und dementsprechend zu handeln (man beachte Abrahams Glaubensgehorsam in Gen 22,6).
Das Westminster Bekenntnis formuliert folgendermaßen (Artikel 14.2):
„Wegen der Autorität Gottes, der darin spricht, hält ein Christ durch diesen
Glauben für wahr, was auch immer im Wort geoffenbart ist und handelt danach auf verschiedene Art und Weise, je nachdem, was die einzelnen Schriftstellen
beinhalten; so leistet er den Geboten Gehorsam, nimmt mit Erschrecken die Drohungen wahr und ergreift die Verheißungen Gottes für dieses und das zukünftige Leben. Der aktive, rettende Glaube gewinnt seine wichtigste Bedeutung darin, dass er Christus annimmt, ihn aufnimmt und in ihm allein zur Rechtfertigung, Heiligung und zum ewigen Leben aufgrund des Gnadenbundes Ruhe findet.“
Literatur: vgl. M.G. Kline, "Abram's Amen" WTJ 31 (1968): 1-11.
4.10.06
Antwort: Unsere Berufung erkennen
Ein höchst spannendes Thema, und welchen Christen treibt es nicht um!
Was die vier Schritte von Principal Macleod betrifft:
In der Tat: Die Bibel bietet da nicht immer direkte Führung an; vielmehr verdeutlicht sie oft nur, daß wir diese Führung brauchen. Nehmen wir nur 2. Petrus 1, 10: Wie sollen wir unsere Berufung festmachen, wenn wir sie nicht kennen? Dort ist das Spannungsfeld.
Ich habe das Thema vor ein paar Wochen mit Pastor Lee Powell erörtert. Dabei habe ich gelernt: Je weiter man die Frage zuspitzt, desto schwieriger wird es mit den althergebrachten "geistlichen Hausmitteln".
Beginnen wir zum Beispiel mit der "open-door-Theorie", der Klassiker. Natürlich, wir schauen, wo sich Türen öffnen, um durch sie hindurchzugehen. Was aber, wenn sich zwei Türen gleichzeitig öffnen? Welche nehmen wir? Oder die Tür schlägt in dem Moment zu, wo wir hindurchgehen wollen. Heißt das, wir haben die falsche genommen?
Ein anderes Bild: Die Wegkreuzung. Natürlich, wir gehen erst nach rechts oder links, wenn Gott es uns sagt, ansonsten eben geradeaus. Was aber, wenn es nur rechts oder links gibt? Zunächst bleiben wir stehen, aber wie lange können wir das? Irgendwann müssen wir in die eine oder andere Richtung gehen, und wir können darauf vertrauen, daß es die richtige ist - aber wie schnell beginnen wir zu zweifeln, wenn es um uns herum dunkel wird!
Was die vier Schritte von Principal Macleod betrifft:
Der Dreiklang Leitung durch die Schrift - geheiligter Verstand (abstrakt) - common sense (konkret) ist klar. In sehr vielen Fragen, besonders den "alltäglichen Belangen", wird uns das sehr weit bringen. Aber je weiter wir in unsere Berufung (so wir sie denn kennen) hineinwachsen, desto mehr werden wir Situationen erleben, in denen wir trotz Beachtung dieses Dreiklanges noch nicht klüger werden. Wir haben ein Problem logisch erörtert, umbetet, den Rat von Freunden eingeholt - und die Fragen bleiben. Der Grund dürfte sein: Da Schwierigkeiten im "Irdischen" ein Mittel sind, die Gottesbeziehung zu intensivieren, nehmen sie zu. Neben den "grünen Auen" (Psalm 23, 2) gewinnen die "finsteren Täler" (Vers 4) an Bedeutung. Je weniger wir aber selbst das Licht sehen, desto wichtiger wird das unmittelbare Erlebnis der Zuwendung Gottes: "Ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir." Auf das Entscheidungsproblem übertragen bedeutet das meines Erachtens: Je weniger wir die Fragen verstandesmäßig beantworten können, desto mehr sind wir darauf angewiesen, daß Gott unmittelbar zu uns spricht. Dabei gilt es natürlich festzuhalten, daß sich dieses Reden niemals erzwingen, immer nur erwarten läßt.
Aber hier kommen wir nun zum vierten Schritt: Warum sollte prophetische Rede kein Mittel sein, um uns den Willen Gottes zu offenbaren? Die Vorsicht, die hier geboten ist, muß meiner Meinung nach genauso auf die Punkte 1-3 angewandt werden.
Die Frage: Wie gehen wir mit dem um, was uns von Gott anvertraut ist? stellt sich doch in jedem Bereich unseres Lebens.
Sicher ist prophetische Rede ein ganz besonders sensibler Bereich, in dem sehr viel Mißbrauch getrieben wird. Das sollte uns aber nicht aus dem Blick vertreiben, daß Gott gerade auch durch dieses Instrument zu Menschen sprechen kann - jedenfalls können wir das nicht leugnen, ohne Paulus' Ausführungen in 1. Korinther 14, 1 ff. zu vernachlässigen.
Wir sollen alles prüfen, das gilt für Prophetien genauso wie für jede Predigt.
"Es gibt keine Propheten mehr, die bindend Autorität haben" - dem kann ich uneingeschränkt zustimmen in dem Sinne, daß sich jedes prophetische Wort an der geoffenbarten Schrift messen lassen muß und also falsche Prophetie ist, wenn sie der Bibel widerspricht. Die Aussage ist mir aber zu kategorisch, wenn damit verneint werden soll, daß Gott Menschen befähigt, anderen Menschen konkrete Dinge in seinem Auftrag mitzuteilen.
Ich bin davon überzeugt, daß wir das nicht leugnen können, ohne 1. Korinther 12, 10 für nicht mehr oder nicht mehr uneingeschränkt anwendbar zu erklären - womit wir den Vorwurf gegen jene, die an der göttlichen Autorität der Bibel zweifeln, gegen uns selbst gekehrt sähen...
Prophetie ist meines Erachtens keine Frage von "charismatisch" oder nicht. Die Gaben des Heiligen Geistes sind potentiell in jeder Gemeinde anzutreffen, die Jesus Christus in den Mittelpunkt stellt. Menschen, die von Gott einen prophetischen Auftrag bekommen haben, werden mit ihrer Gabe zurückhaltend umgehen - ihr Reden wird niemals darauf abzielen, andere zu manipulieren; sie werden demütig und bescheiden auftreten und keinen Anspruch darauf erheben, Recht zu haben.
Eine unbiblische Handhabung der prophetischen Gabe entwickelt eine zerstörerische Kraft für den einzelnen und die Gemeinde, schlimmer als andere Phänomene. Aber wo sie unter der Herrschaft Jesu Christi als des Herrn der Gemeinde steht (und das sollten ja alle Bereiche des geistlichen Lebens!) , kann sie denen eine sehr wertvolle Hilfe sein, die konkrete Wegweisung von Gott erbitten.
Aber hier kommen wir nun zum vierten Schritt: Warum sollte prophetische Rede kein Mittel sein, um uns den Willen Gottes zu offenbaren? Die Vorsicht, die hier geboten ist, muß meiner Meinung nach genauso auf die Punkte 1-3 angewandt werden.
Die Frage: Wie gehen wir mit dem um, was uns von Gott anvertraut ist? stellt sich doch in jedem Bereich unseres Lebens.
Sicher ist prophetische Rede ein ganz besonders sensibler Bereich, in dem sehr viel Mißbrauch getrieben wird. Das sollte uns aber nicht aus dem Blick vertreiben, daß Gott gerade auch durch dieses Instrument zu Menschen sprechen kann - jedenfalls können wir das nicht leugnen, ohne Paulus' Ausführungen in 1. Korinther 14, 1 ff. zu vernachlässigen.
Wir sollen alles prüfen, das gilt für Prophetien genauso wie für jede Predigt.
"Es gibt keine Propheten mehr, die bindend Autorität haben" - dem kann ich uneingeschränkt zustimmen in dem Sinne, daß sich jedes prophetische Wort an der geoffenbarten Schrift messen lassen muß und also falsche Prophetie ist, wenn sie der Bibel widerspricht. Die Aussage ist mir aber zu kategorisch, wenn damit verneint werden soll, daß Gott Menschen befähigt, anderen Menschen konkrete Dinge in seinem Auftrag mitzuteilen.
Ich bin davon überzeugt, daß wir das nicht leugnen können, ohne 1. Korinther 12, 10 für nicht mehr oder nicht mehr uneingeschränkt anwendbar zu erklären - womit wir den Vorwurf gegen jene, die an der göttlichen Autorität der Bibel zweifeln, gegen uns selbst gekehrt sähen...
Prophetie ist meines Erachtens keine Frage von "charismatisch" oder nicht. Die Gaben des Heiligen Geistes sind potentiell in jeder Gemeinde anzutreffen, die Jesus Christus in den Mittelpunkt stellt. Menschen, die von Gott einen prophetischen Auftrag bekommen haben, werden mit ihrer Gabe zurückhaltend umgehen - ihr Reden wird niemals darauf abzielen, andere zu manipulieren; sie werden demütig und bescheiden auftreten und keinen Anspruch darauf erheben, Recht zu haben.
Eine unbiblische Handhabung der prophetischen Gabe entwickelt eine zerstörerische Kraft für den einzelnen und die Gemeinde, schlimmer als andere Phänomene. Aber wo sie unter der Herrschaft Jesu Christi als des Herrn der Gemeinde steht (und das sollten ja alle Bereiche des geistlichen Lebens!) , kann sie denen eine sehr wertvolle Hilfe sein, die konkrete Wegweisung von Gott erbitten.
Wie erkenne ich meine Berufung?
Principal Macleod ging in seiner heutigen Vorlesung auf eine Frage ein, die uns in der Praxis ständig begegnet: Wie erkenne ich meinen Weg? Sprich: Woran erkenne ich, ob Gott möchte, dass ich in den pastoralen Dienst einsteige oder ob ich als Missionar nach Uganda gehen soll? Die Frage können wir auch bei scheinbar weniger wichtigen Dingen stellen.
Macleod wies darauf hin, dass uns die Bibel in solchen Fragen nicht immer direkte Führung anbietet. Die Bibel sagt uns nicht, wen wir heiraten sollen, welches Auto wir kaufen sollen oder ob wir in ein anderes Wohngebiet umziehen sollen. Wir Menschen verlangen immer Sicherheit, wir wollen genau wissen, wo es langgeht.
Wie sollen wir vorgehen?
1. Wir lassen uns von der Schrift leiten. Das Wort Gottes bietet generelle Leitlinien an, die auf unseren Alltag heruntergebrochen werden können. Das heißt, wir werden bspw. keinen Beruf wählen, der uns zwingt, zu lügen oder zu stehlen. Leitung durch die Bibel. Wir bekommen viele Antworten, indem wir die Bibel studieren, reflektieren und meditieren.
2. Gott wohnt durch Seinen Geist in unserem Verstand – insofern ist es wohl – um es in Rüger’scher Terminologie auszudrücken, ein „geheiligter Verstand“. Und dadurch sind wir per se geleitet und dürfen uns von Gott als geführt wissen.
3. Aus dem vorigen Punkt ergibt sich zwingenderweise: Benutzen wir unseren geheiligten, “gesunden” (durch Christus!) Menschenverstand (Macleod: „common sense“). Das heißt, geht es um die konkrete Frage, soll ich in den vollzeitlichen Dienst gehen, so frage ich mich: Habe ich ein Verlangen danach? Habe ich die Gaben? Was sagen meine Freunde, Verwandten? Ist es meiner Familie zumutbar? Wie denkt meine Gemeinde darüber? Gott hat uns unseren gesunden Menschenverstand gegeben, sodass wir praktisch uns einer Entscheidung nähern können und sie dann auch treffen können.
4. Macleod schloss übernatürliche Phänomene nicht aus. Es kann sein, dass wir auf geistlicher Ebene Eindrücke erhalten (z.B. im Gebet), die uns anleiten. Vorsicht ist jedoch geboten bei charismatischen „Propheten“ denken, sie hätten eine Eingebung Gottes die angeblich auf uns zuträfe. Es gibt keine Propheten mehr, die bindend Autorität haben.
Soweit meine Notizen – gibt es weitere Kriterien, die man hinzufügen könnte?
Macleod wies darauf hin, dass uns die Bibel in solchen Fragen nicht immer direkte Führung anbietet. Die Bibel sagt uns nicht, wen wir heiraten sollen, welches Auto wir kaufen sollen oder ob wir in ein anderes Wohngebiet umziehen sollen. Wir Menschen verlangen immer Sicherheit, wir wollen genau wissen, wo es langgeht.
Wie sollen wir vorgehen?
1. Wir lassen uns von der Schrift leiten. Das Wort Gottes bietet generelle Leitlinien an, die auf unseren Alltag heruntergebrochen werden können. Das heißt, wir werden bspw. keinen Beruf wählen, der uns zwingt, zu lügen oder zu stehlen. Leitung durch die Bibel. Wir bekommen viele Antworten, indem wir die Bibel studieren, reflektieren und meditieren.
2. Gott wohnt durch Seinen Geist in unserem Verstand – insofern ist es wohl – um es in Rüger’scher Terminologie auszudrücken, ein „geheiligter Verstand“. Und dadurch sind wir per se geleitet und dürfen uns von Gott als geführt wissen.
3. Aus dem vorigen Punkt ergibt sich zwingenderweise: Benutzen wir unseren geheiligten, “gesunden” (durch Christus!) Menschenverstand (Macleod: „common sense“). Das heißt, geht es um die konkrete Frage, soll ich in den vollzeitlichen Dienst gehen, so frage ich mich: Habe ich ein Verlangen danach? Habe ich die Gaben? Was sagen meine Freunde, Verwandten? Ist es meiner Familie zumutbar? Wie denkt meine Gemeinde darüber? Gott hat uns unseren gesunden Menschenverstand gegeben, sodass wir praktisch uns einer Entscheidung nähern können und sie dann auch treffen können.
4. Macleod schloss übernatürliche Phänomene nicht aus. Es kann sein, dass wir auf geistlicher Ebene Eindrücke erhalten (z.B. im Gebet), die uns anleiten. Vorsicht ist jedoch geboten bei charismatischen „Propheten“ denken, sie hätten eine Eingebung Gottes die angeblich auf uns zuträfe. Es gibt keine Propheten mehr, die bindend Autorität haben.
Soweit meine Notizen – gibt es weitere Kriterien, die man hinzufügen könnte?
2.10.06
Antwort auf "Glaube als geheiligter Verstand"
Meiner Ansicht nach ist Spurgeon hier etwas zu logisch, zu rational. Glaube beinhaltet sicher weit mehr als Verstand (und darüber war sich Spurgeon natürlich klar). Glaube besteht aus mehreren Komponenten. Zum einen aus Wissen (notitia, vgl. Römer 10,14), weiterhin aus Glauben (assensus, Lasst euch überzeugen!) und Vertrauen (fiducia, Mt 11,18 ). Der Gegenstand des Glaubens (Wort Gottes, Dreieiner Gott) ist mit diesen Komponenten zu ergreifen, würde ich sagen – wobei Glaube per se immer ein Geschenk Gottes bleibt (Eph 2,8). Um die Diskussion etwas auszuweiten möchte ich gerne Karl Barth ins Spiel bringen. Barth versteht unter Glauben: einen Gemeinschaftsaspekt und einen Wissensaspekt. Ich zitiere (leider besitze ich nur engl.sprachige Ausgabe):
- „Christian faith ist he gift of the meeting in which men become free to hear the word of grace which God has spoken in Jesus Christ in such a way that, in spite of all that contradicts it, they may once for all, exclusively and entirely, hold to His promise and guidance.” (Karl Barth, Dogmatics in Outline, 7).
- “Christian faith is the illumination of the reason in which me become free to live in the truth of Jesus Christ and thereby to become sure also of the meaning of their own existence and of the ground and goal of all that happens.” (Karl Barth, Dogmatics in Outline, 14).
Glaube als geheiligter Verstand
Als Ausgangspunkt für unseren Zirkel würde ich gern das Verhältnis von Glaube und Verstand zum Thema machen - mit einer prägnanten Aussage von C.H. Spurgeon:
"Einige Leute meinen, wenn man Glauben hätte, könnte man wie ein Narr handeln. Aber der Glauben macht einen Menschen weise. Es ist einer der bemerkenswertesten Punkte beim Glauben, daß er geheiligter, gesunder Verstand ist. Er ist nicht Fanatismus. Glauben heißt, Gott zum größten Faktor in unseren Berechnungen machen und dann nach der gesündesten Logik rechnen."
1.10.06
Eröffnung des theologischen Zirkels
Spiritualität, Theologie, Fragen, Antworten, Kommentare, Diskussionen - in Zukunft auf dieser Seite.
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