Unsere Betrachtungen über das Wesen des Glaubens verdienen es, mit dem Glauben des absolut krassen Glaubenshelden Abraham illustriert und fundiert zu werden:
In Genesis 15,6 lesen wir: Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.
Dieser Satz ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich hier um einen Kommentar des Erzählers – das sticht insofern heraus, als sich der Erzähler in Genesis nur sehr selten mit Kommentaren zu Wort meldet. Wir erhalten hier eine Information, die uns allein aus der Geschichte heraus nicht zugänglich wäre – es ist, weiterhin, die erste biblische Erwähnung von „Glauben“.
Das im hebräischen benutzte Verb für „glauben“ (aman), bedeutet u.a. unterstützen, sicheres Fundament, zuverlässig, treu. Das heißt, Abraham erlebte Gott als eine zuverlässige Stütze, einen reliablen Grund. Abraham versicherte sich selbst in JAHWEH als Person. Meredith Kline weist darauf hin, dass der Gebrauch des Wortes „aman“ im „delocutive“ ist, d.h., Abraham sagte praktisch „AMEN“ (gleiche Wurzel) zu Gottes Verheißungen. Abraham kommentierte Gottes großartige Versprechen mit einem kräftigen „So sei es, AMEN.“ Das ist Glaube.
Glaube bedeutet daher in seiner Essenz das für wahr zu halten, dem zu vertrauen, was Gott in Seinem Wort verheißen hat und dementsprechend zu handeln (man beachte Abrahams Glaubensgehorsam in Gen 22,6).
Das Westminster Bekenntnis formuliert folgendermaßen (Artikel 14.2):
„Wegen der Autorität Gottes, der darin spricht, hält ein Christ durch diesen
Glauben für wahr, was auch immer im Wort geoffenbart ist und handelt danach auf verschiedene Art und Weise, je nachdem, was die einzelnen Schriftstellen
beinhalten; so leistet er den Geboten Gehorsam, nimmt mit Erschrecken die Drohungen wahr und ergreift die Verheißungen Gottes für dieses und das zukünftige Leben. Der aktive, rettende Glaube gewinnt seine wichtigste Bedeutung darin, dass er Christus annimmt, ihn aufnimmt und in ihm allein zur Rechtfertigung, Heiligung und zum ewigen Leben aufgrund des Gnadenbundes Ruhe findet.“
Literatur: vgl. M.G. Kline, "Abram's Amen" WTJ 31 (1968): 1-11.
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3 Kommentare:
Zu unserem Glaubenshelden Abraham möchte ich hinzufügen:
Der höchst bemerkenswerte Kommentar in Genesis 15, 6 wird ja von Paulus in Römer 4 als Ausgangspunkt einer umfassenden "Exegese" gewählt, an deren Ende (vielleicht auch: auf deren Höhepunkt) die ebenso unfaßbare wie fundamentale Aussage steht: "Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus" (Röm. 5,1) - die Glaubenserfahrung des Abraham wird also für uns Angehörige des Neuen Bundes fruchtbar gemacht.
Mir hatte sich bereits die Frage gestellt, ob mit dem Glauben des Abraham in Genesis 15, 6 tatsächlich ein "gerechtmachender" Glaube im neutestamentlichen Sinne angesprochen ist, und mir scheint die Auslegung in Römer 4 doch irgendwie stark dafür zu sprechen; zumindest ist Genesis 15, 6 doch ein unübersehbarer Vorbote der Rechtfertigung durch Glauben in Christum, nicht wahr?
Gen 15,6 Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.
Das hebräische Wort für Gerechtigkeit bedeutet, Gottes Norm zu entsprechen. Weiterhin kann man es übersetzen als: die Wege, die Wege sind wie sie sein sollen. D.h., Hirten führten ihre Schafe auf Wegen, wie alle Wege sein sollten. Fakt ist, dass Gott Abraham in eine in diesem Sinne aufrechte Beziehung zu Ihm selbst setzt. Abraham ist daher als unser Vorbild durch den Glauben gerechtfertigt worden – Paulus zeigt das deutlich auf.
Es stellt sich in der Tat die Frage nach dem Objekt von Abrahams Glauben. Ruhte Abraham in Christus wie wir heute? Wahrscheinlich nicht. Dennoch war es durch Christi Opfer rückwirkend gerechtmachender Glaube. Glauben ist die Substanz dessen, worauf wir hoffen. Glaube ist essentiell ein Festhalten an der Wahrheit, die Gott offenbart ist und wird gefolgt von Handeln. Abraham hat uns das vorgemacht. Wir folgen – erst recht mit der größeren Offenbarung in und durch Christus.
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