20.11.06

5. Spiritueller Eklektizismus

Spiritueller Eklektizismus ist ein weiteres Charakteristikum der PM.

Was verstehen wir unter diesem Phänomen?

Das pm Individuum weist ein geistliches Vakuum auf (entstanden durch die Abkehr vom Christentum als „füllend“), das Ausfüllung verlangt. Wir Menschen sind von Natur aus religiöse/spirituelle Wesen. Historische Forschung macht deutlich, dass wir von jeher verschiedene Formen der Anbetung hinsichtlich wechselnder Objekte praktizierten (sei es die Sonne, Jahreszeiten, Götter u.ä.). Johannes Calvin spricht hier treffend von einem „Samen der Religion“ den Gott dem Menschen eingepflanzt hat: “God has sown a seed of religion (semen religionis) in all men” (Institutio, I.IV,1).

Womit soll das leere pm Herz gefüllt werden?

Im Zusammenhang mit der PM verschiebt sich nun der Schwerpunkt weg von „Religion“ hin zu „Spiritualität“. Religion als öffentlicher Herold allgemeiner und verbindlicher Wahrheit wird abgelöst von Spiritualismus. David spricht dementsprechend begrifflich präzise von der „Wiederentdeckung des Pseudo-Religiösen“ (Rüger’s Kommentar zu meinem Beitrag vom 25.10.06). Der pm Mensch ist nicht an traditioneller Religion interessiert, er sucht das Pseudo-Religiöse, das diffuse, das wertneutrale Spirituelle. Interindividuell variierende und unverbindliche Spiritualität ist somit das pm Substitut allgemeingültiger Religion.

Spiritueller Eklektizismus bedeutet in diesem Sinn, dass der pm Sinnsucher verschiedene, miteinander konkurrierende Weltanschauungen im spirituellen Supermarkt sichtet, miteinander vergleicht, einordnet und sich schließlich angeeignet (bzw. eigens konstruiert, Konstruktivismus).

War Glaube früher an Institutionen gebunden (Denominationen, Gemeinde, Kirche), so ist ein wichtiges Kennzeichen des pm „Glaubens“ die Privatisierung. Glaube in der PM ist eine Privatsache. Dies spiegelt sich auch in den aktuellen Redewendungen wieder: „Jeder soll nach eigener Facon selig werden“ bzw.: „Ich lasse Dir Deinen Glauben“. Pragmatismus ersetzt göttliche Wahrheit, d.h. es gibt kein doktrinbezogenes „wahr“ oder „falsch“ mehr, sondern nur ein „nützlich“ oder „nutzlos“: “Wenn es dich glücklich macht,…”, „Wenn es dir hilft“. Wahrheit in der PM steht unter dem Überbau des therapeutisch „Sinnvollen“, der Zweck „heiligt“ (!) die Mittel, wer heilt hat Recht.

Wie reagieren wir als Christen? Nun, wir registrieren zunächst, dass der Docht der Religion, des Glaubens an Gott, noch glimmt. Die Lehrregeln von Dordrecht (1618-19) beschreiben es so:

„Zwar ist nach dem Fall im Menschen noch ein gewisses Licht der Natur übriggeblieben, wodurch er einige Kenntnis von Gott, von den natürlichen Dingen, von dem Unterschied zwischen dem, was sich geziemt und nicht geziemt, behält und auch der Tugend und äußeren Zucht noch eine gewisse Beachtung schenkt. Jedoch ist es so weit davon entfernt, daß der Mensch durch dies Licht der Natur zu der seligmachenden Erkenntnis Gottes kommen
könnte […].“

Jeder Mensch, ausnahmslos und zeitübergreifend, besitzt einen Sinn für das Göttliche. Das kommt uns zugute. Wir Christen sind Lichter in dieser Welt, die den glimmenden Docht der Religion bei unseren Mitmenschen neu entfachen dürfen. Das vorhandene Glimmen (Sehnsucht nach geistlicher Füllung) muss auf Gott hin ausgerichtet und intensiviert werden, damit wahre Erleuchtung stattfinden kann.

Unserer christlichen Botschaft kommt zu Hilfe, dass im Prinzip jeder Mensch weiß, dass Gott existiert und dass Gott Rechenschaft fordern wird:

"Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten, 19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart. 20 Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien;" (Röm 1,18-20).

Johannes Calvin beschreibt diese biblische Wahrheit folgendermaßen: “There is within the human mind, and indeed by natural instinct, an awareness of divinity (divinitatis sensum). This we take to be without controversy.” (Institutio, I.III,1).

Hier wollen wir ansetzen und Gottes Wort in den spirituellen Eklektiker hineinsäen, damit er seine unfruchtbaren Anbauversuche bekennt, umkehrt und der Same Religion heranwachsen kann zu einem Mammutbaum des Glaubens an Gott.

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