30.12.06

Esra: Erweckung durch das Wort allein (eine Antwort auf David)

Ich bin David sehr dankbar für seine Ergänzungen in seiner „Antwort auf 6.: Wieviel Effizienz ist erlaubt?“ Davids Ergänzungen sind insofern wertvoll als er richtigerweise klarstellt, dass Effizienz als Selbstzweck gar nicht existieren kann. Das war von mir zu kurz gedacht. Es ist sicher zutreffend, dass hinter praktizierter Effizienz „ein anderer, verwerflicher Zweck“ (David) steckt (wie etwa Mammon, Stolz, Imponiergehabe etc.).

Punkt 2 von David brachte mich ins Nachdenken. Auf der einen Seite stütze ich Davids bibelfundierte These, dass zu Beginn des Christenlebens Milch fließt und dann später Schwarzbrot folgt. Auf der anderen Seite ist es dennoch möglich, dass auf einen Schwarzbrot-Beginn eine geistliche Erweckung in allen Schichten erfolgen kann. Dies will ich mit Esra illustrieren. Esra zeigt uns, dass das Motto „Neue Zeiten brauchen neue Ideen“ nicht unbedingt immer zutreffend ist – eine für uns vielleicht heilsame Lehre.

Esra (identisch mit dem Autor des Buches „Esra“) war aus priesterlichem Geschlecht (stammte von Aaron ab, s. Esra 7,1-5) und war derjenige Schriftgelehrte, der aus dem babylonischen Exil um ca. 459 nach Jerusalem zurückkehrte. Artaxerxes erlaubte Esra mit einer Gruppe Israeliten (ca. 5000 Personen) zurück nach Jerusalem zu reisen (Esra 8).

Esra kehrte zurück in ein „neues altes“ Land. Es ist bemerkenswert, dass Esra – nachdem das Volk 70 Jahre im babylonischen Exil lebte – seine Identität nicht vergaß, dass er nicht ignorierte, woher er herkam, er der Gott war, den seine Väter und auch er anbeteten.

Esra war ein Mann des Wortes, des Wortes Gottes. In Nehemia 8 erfahren wir, wie Esra dem gesamten anwesenden Volk die fünf Bücher Mose vorlas.

"Und er las daraus vor auf dem Platz, der vor dem Wassertor war, vom ersten Tageslicht bis zum Mittag in Gegenwart der Männer und Frauen und aller, die es verstehen konnten. Und die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Buch des Gesetzes gerichtet." (Neh 8,3)

Täglich für mindestens 6 Stunden las Esra den Menschen vor – das widerspricht dem deutschen Sprichwort: „Ein Pastor kann über alles predigen, außer über 20 Minuten.“ Eigentlich sollte alle 7 Jahre während des Laubhüttenfestes das Gesetz des Mose vorgelesen werden (vgl. Deut 31,10-13), doch dieses Ritual war während der babylonischen Gefangenschaft abhanden gekommen. Esra führte es neu ein.

Esra begann etwas Neues mit etwas Altem. Er dachte nicht: Neue Methoden müssen her, um das Volk wachzurütteln. Er war nicht „seeker-sensitiv“, obwohl das Volk 70 Jahre in der Fremde war unter fremden Kulten und Göttern. Esra hatte nicht überlegt, okay, die brauchen jetzt erstmal Milch, ich lese jeden Tag ein Kapitel und lege es praktisch aus, damit jeder was damit anfangen kann. Esra wollte nicht „effizient“ sein – und doch war er es. Es kam zu einer Erweckung. Die Menschen waren zutiefst betroffen über das, was sie hörten. Sie wurden aufgeweckt, erweckt:

"Und Nehemia, das ist der Tirschata, und der Priester Esra, der Schriftgelehrte, und die Leviten, die das Volk belehrten, sagten zum ganzen Volk: Dieser Tag ist dem HERRN, eurem Gott, heilig! Seid nicht traurig und weint nicht! Denn das ganze Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte." (Neh 8,9)

Das ist Erweckung. Wenn Gott in den Herzen der Menschen wirkt, sodass sein Wort auf fruchtbaren Boden fällt und Sündenerkenntnis, Bitte um Vergebung und Lobpreis herbeiführt.

In den kommenden Tagen bekannte das Volk Gott seine Schuld (Nehemia 9):

"Und sie standen auf an ihrer Stelle, und man las aus dem Buch des Gesetzes des HERRN, ihres Gottes, vor, ein Viertel des Tages. Und ein anderes Viertel des Tages bekannten sie ihre Verfehlungen und warfen sich nieder vor dem HERRN, ihrem Gott." (Neh 9,3)

Sie erneuerten den Bund mit Gott (Nehemia 10):

"schließen sich ihren Brüdern, den Mächtigen unter ihnen, an und treten in Eid und Schwur, im Gesetz Gottes zu leben, das durch Mose, den Knecht Gottes, gegeben worden ist, und alle Gebote des HERRN, unseres Herrn, und seine Rechtsbestimmungen und seine Ordnungen zu bewahren und zu tun." (Neh 10,30)

Das alles, weil Esra so mutig war, keine neuen Methoden zu probieren. Was allein tat er? Er las das Wort vor und legte es aus (Neh 8,8). Es ist so simpel: Das Wort. Das Wort wirkte in den Herzen der Menschen:

"Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens;" (Hebr 4,12)

Fazit: Was brauchen wir?

Das Wort.
Und Gebet.

Wir müssen
a) das Wort lesen und auslegen und
b) beten, dass Gott durch seinen Heiligen Geist das Wort in den Herzen der Menschen lebendig und wirksam macht (Hebr 4,12)

Und
Sonst
Nichts.

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