10.5.07

David: Ein Mann nach Gottes Herzen

Als neuen Impuls für unseren Blog wollen wir uns mit der Person des König David befassen und damit erstmals eine Person ins Zentrum unserer Beiträge stellen.

Ein erster Schritt dazu ist mein Versuch, dieses Vorhaben ein wenig zu strukturieren, ohne damit Vorfestlegungen treffen zu wollen - eher um mögliche Teilbereiche zu skizzieren.

Die Biographie des Königs David ist meines Wissens die mit Abstand umfangreichste in der Bibel: ein Lebensbild in 42 Kapiteln (1. Samuel 16-31; 2. Samuel 1-24; 1. Könige 1+2). Auch wenn darin viel Geschichte des Volkes Israel berichtet wird, ist die Erzählperspektive doch immer auf David ausgerichtet. In den fünf Büchern Mose ist das zum Beispiel anders, obwohl die Bücher den Namen der für die Frühgeschichte Israels vielleicht wichtigsten Person (neben den Erzvätern) tragen. Selbst wenn wir die Biographie Jesu betrachten und dabei den Umstand berücksichtigen, daß die vier Evangelisten sehr vieles parallel überliefern, stellen wir fest, daß sich die Angaben zum Leben Jesu hauptsächlich auf die Zeit seines öffentlichen Wirkens beschränken.

Die Ausführlichkeit der Biographie Davids erklärt sich meines Erachtens damit, daß er der größte und "geistlichste" König Israels ist. Seine Bedeutung beschränkt sich aber keineswegs auf den Alten Bund; vielmehr findet das göttliche Versprechen eines ewig währenden Königsthrones für David und seine Nachkommen (2Sam 7,16) in Jesus Christus seine Erfüllung, weshalb "Sohn Davids" stets als eine Art Ehrentitel des Messias gebraucht wird (vgl. etwa Mt 21,9).

David ist eine vielseitige, mitunter ambivalente Persönlichkeit: ein erfolgreicher Krieger und Feldherr, an dessen Händen viel Blut klebt (was ihn für den Tempelbau 'disqualifiziert'), aber auch ein Sänger und Poet, dessen Harfenspiel böse Geister besänftigt und dessen Psalmen eine unerschöpfliche Fundgrube des Gebets darstellen; ein Mann, der Gott von ganzem Herzen sucht und sich vom Götzendienst fernhält, aber auch in schwere Sünde fällt (2Sam 11+12), dafür aber auch tiefe Buße tut (2Sam 12; Ps 51). Über all diesen Turbulenzen steht aber von Anfang an Gottes Erwählung und Berufung und seine herrliche, einmalige Bewertung: "ein Mann nach meinem Herzen" (1Sam 13,14).
David bringt es auf eine beachtliche Amtszeit von 40 Regierungsjahren (1Kön 2,11).

Wir können im Leben des David vielleicht fünf wichtige Phasen unterscheiden:

I. Jugend und Salbung durch Samuel (1Sam16+17)
II. Im Dienst Sauls (1Sam16-19)
III. Flüchtlingszeit (1Sam22-30)
IV. Königszeit (2. Buch Samuel)
V. Lebensende (1Kön 1+2)

Es könnte lohnend sein, sich mit diesen Phasen im einzelnen auseinanderzusetzen (über Abgrenzungsfragen läßt sich selbstverständlich diskutieren), denn möglicherweise - so meine Vermutung - läßt sich in dieser Biographie ein Paradigma für geistliche Biographien überhaupt erkennen, das etwa so aussehen könnte:

I. Wiedergeburt und Berufung
II. Zeit der Anfechtung: Angriffe auf die Berufung
III. 'Talsole': vorübergehender Verlust der Vision bzw. deren Verdunkelung
IV. Zeit der Erfüllung: Leben in der Berufung
V. Das geistliche Vermächtnis

Das ist, wie gesagt, nur eine Vermutung, die es zu verifizieren (oder eben zu falsifizieren) gilt. Ich bin gespannt auf weitere Beiträge zum Thema!

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