16.5.07

David I: Wie alles begann

Gehen wir nochmal ganz an den Anfang der "Karriere" des Königs David zurück. Womit beginnt die Geschichte?

In 1 Sam 16 lesen wir nicht: David nahm sich in seinem Herzen vor, König von Israel zu werden, oder: Israel aber stürzte Saul in einem Mißtrauensvotum und wählte David als Nachfolger.
Der Ursprung der David-Geschichte ist ein Auftrag Gottes an den Propheten Samuel, einen noch nicht einmal näher bezeichneten Sohn Isais zum König zu salben. Eine politisch überaus heikle Mission, ein Akt des Hochverrats, der für Samuel mit Lebensgefahr verbunden ist (1Sam16,2). Der Auftrag ist noch aus einem anderen Grund eine Zumutung an Samuel: Sein Herz hing an Saul, ihn hatte er im Auftrag Gottes zum ersten König Israels gesalbt (1Sam10,1). Mit der Salbung eines Gegenkönigs wurde sein geistliches Lebenswerk scheinbar hinfällig.

Daß Samuel seinen Schmerz und seine Angst überwindet, macht den Weg frei für den Plan Gottes. Mit einem klar definierten Auftrag und in völliger Abhängigkeit von den Weisungen des Herrn (1Sam16,3) begibt sich Samuel zur Familie Isais, ausgerüstet mit der Mahnung, in dem ganzen Geschehen die Perspektive Gottes einzunehmen, der das Herz ansieht (1Sam16,7).

Das Opferfest bei Isai wird aber in den Augen der Zuschauer zu einer peinlichen Situation: Einen Hoffnungsträger nach dem anderen läßt Samuel vorbeidefilieren und lehnt dankend ab (v.10). Was tut der Prophet da? Ist er noch ganz bei Trost? Zu allem Überfluß wird auch noch der Jüngste, der Schafhirte, herbeizitiert.

Was alle Umstehenden nur schwer begreifen können, ist, daß Samuel nicht nach eigenem Gutdünken auswählt, sondern auf die Stimme Gottes zu hören hat. Und er erwählt sich für große Aufgaben Werkzeuge, die in den Augen der Welt gering sind, damit sich niemand etwas auf sich selbst einbildet, sondern Gott die Ehre zukommt (vgl. 1Kor1, 28f.) Dieser Umstand hat David geholfen, sich auch als König noch seiner Werkzeug- und Dienerfunktion für Gott und sein Volk bewußt zu sein (2Sam5,12).

Es ist auch kein Zufall, daß Samuel David "mitten unter seinen Brüdern" (1Sam16,13) zum König salbt. Das wird den Brüskierten zugemutet: zu sehen, wie der Letzte zum Ersten wird. Diener im Reich Gottes müssen und dürfen lernen, Salbung und Berufung anderer ohne Neid und mit Freude mitzuerleben. Freude, weil es nicht um den Begabten, sondern den Geber geht.
Das ganze Geschehen vollzieht sich übrigens in bemerkenswerter Schlichtheit: kein anschließendes Volksfest, kein Triumphzug des David. Samuel tut seinen Dienst und geht zurück nach Rama. Große Berufungen beginnen im Stillen und brauchen Zeit zum Reifen.

Halten wir fest: Die Sache mit David beginnt mit Gehorsamsschritten des geistlichen Vaters Samuel, der seinen Schmerz und seine Angst überwindet, um Gottes Auftrag zu erfüllen. Vor der Salbung des Mannes nach dem Herzen Gottes steht das "Rede Herr, Dein Knecht hört" des Propheten (1Sam3,10). Wie vielen Menschen sind solche Schritte geistlicher Väter schon zum Segen geworden! Wie viele sind Königskinder geworden, weil Diener Gottes das gepredigt haben, was Gott ihnen aufgegeben hat.

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