Die Wege von David und Saul kreuzen sich relativ bald; vor der berühmten David-und-Goliath-Geschichte in 1Sam17 erzählt das Buch im zweiten Teil des 16. Kapitels, wie David in den Dienst Sauls kam. Und das ist eine sehr bemerkenswerte Geschichte:
Auslöser ist eine Bessenheit, psychische Störung, vielleicht auch: schwere Depression Sauls als Folge seines Ungehorsams und seiner Verwerfung (Kap.15). Vers 14 beschreibt das so: Der Geist Gottes weicht von Saul, und ein böser Geist vom Herrn ängstigt ihn. Eine schwierige Stelle: Kann wirklich von Gott ein böser Geist kommen? Oder ist damit einfach nur gesagt, daß Saul nach dem Weichen des Geistes Gottes finsteren Mächten schutzlos preisgegeben war? Die tragische Saul-Geschichte hat jedenfalls einen über die Maßen prägenden Einfluß auf Davids Biographie.
David öffnet dieser Umstand den Weg in den Königspalast. Doch wie zieht er da ein? Als der Gesalbte des Herrn, mit Pauken und Trompeten und einem großen Hofstaat? Das wäre nicht unangemessen gewesen - denn David durfte sich nach dem vorangegangenen Ereignis nicht nur zu Höherem berufen fühlen; er war es auch. Doch nein, David kommt nicht als König, er kommt als Hofmusikant! Seine Aufgabe ist zunächst Harfe spielen - sonst nichts. Gottes Berufung geht hier große Umwege, und David geht sie in beispielhafter Demut. Sehen wir darin nicht einen Wegweiser auf den 'Sohn Davids', den König des Himmels und der Erde, der sich aller Herrlichkeit entäußerte (Phil 2,7) und als ein Diener in die Welt kam?
Ein weiterer bemerkenswerter Umstand wird uns mitgeteilt: Davids Harfenspiel hat Macht über böse Geister (V. 23). Geht es dabei nur um profane Musiktherapie? Wohl kaum. Denn im königlichen Rat wird neben dem Offensichtlichen eine entscheidende Eigenschaft Davids herausgehoben: Der Herr ist mit ihm (V. 18). Das war offenbar allgemein bekannt, seit der Geist des Herrn mit der Salbung über David gekommen war (V. 13). Die Gegenwart der Kraft Gottes vertreibt die Finsternis! Wie häufig zeichnen sich heute Diener Gottes durch die offensichtliche Gegenwart seiner Kraft aus?
Von zentraler Bedeutung scheint mir in diesem Abschnitt zu sein: Demut und Mut zum Umweg. Bereitschaft, um der Berufung willen das Dienen zu lernen, Dienst sogar an den Verlorenen (V. 1), die diese dienende Liebe auf Dauer nicht kalt läßt, wie auch Saul nicht gleichgültig blieb (V. 21). Aber noch etwas ist von Bedeutung: Gott gebraucht praktische Begabungen und Ausbildungen. Saul suchte keinen Seelsorger, sondern einen Harfisten. So sind sehr praktische Berufe oft das Vehikel für die Erfüllung einer geistlichen Berufung. Die einen sind Musiker, die anderen Psychologen, andere Bauern, andere Krankenpfleger. Gebraucht werden sie in Gottes Reich alle.
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